Keynote-Vortrag und Podiumsdiskussion in Helsinki
29.04.2026
Gerd Probst als Gastredner in Helsinki
„From Beauty, Place Making and Fares to Mode Choice“ – so lautete der Titel des Keynote-Vortrags, den Gerd Probst am 29. April 2026 im Rahmen der FLOU-Fachveranstaltung im Hauptbahnhof Helsinki hielt – dem zentralen Tor zu Bahnreisen in Finnland. Anlass war das 10-jährige Jubiläum unseres finnischen Freunde von FLOU.
An den Vortrag schloss sich eine lebendige Podiumsdiskussion mit Taina Haapamäki, Pärtel-Peeter Pere und Kaisa Kuukasjärvi an, gefolgt von einem intensiven und inspirierenden Fachplausch und der After-Show-Party in den schönen Büroräumen von FLOU am alten Hafen von Helsinki.

Die wichtigsten Erkenntnisse des Abends – begleitet von hervorragenden vegetarischen Häppchen und gut gekühltem finnischem Craft Beer:

- Einfachheit vs. Ausdifferenzierung: Wie viel Minimalismus oder welche Zielgruppendifferenzierung braucht ein Tarif, um sowohl die Finanzierung des ÖV zu stärken als auch möglichst viele Fahrgäste zu gewinnen und Autobesitzer von der Bus- und Bahnnutzung zu überzeugen?
- Distanzbasierte Tarife durch digitale Fahrterfassung: Angesichts der hohen Smartphone-Durchdringung im finnischen ÖV-Vertrieb erscheint ein entfernungsabhängiger Tarif naheliegend. Doch führt er tatsächlich zu mehr Fahrgästen und höheren Einnahmen – oder schreckt er Reisende eher ab?
- Welche Preise beeinflussen die Verkehrsmittelwahl wirklich? Das Auto verursacht immer geringere Grenzkosten (insb. e-Autos). Gleichzeitig sind auf urbanen Kurzstrecken – gerade in Finnland – e-Scooter, Leihräder und Ride-Hailing-Angebote allgegenwärtig.
- Warum fehlen in Finnland Kleingruppentarife oder großzügigere Regelungen zur Kindermitnahme? Funktioniert Freizeitmobilität dort anders? Und passen Pauschaltarife überhaupt zur lokalen Mobilitätskultur?
- ID-based Ticketing ist allgegenwärtig: Allerdings meist mit Ticketvorauswahl und anschließendem Tap-In – im Grunde wie ein Automat, nur ohne Papier. Auf ein Tap-Out wird bewusst verzichtet. Was lässt sich daraus für die deutschen Diskussionen ableiten?
Unser Fazit: Öffentlicher Verkehr bleibt ein sehr lokales Geschäft. Nachfrage, Gewohnheiten und die Bedürfnisse von Verkehrsunternehmen und Fahrgästen unterscheiden sich. Wirklich überzeugende Lösungen entstehen daher nicht allein durch raffinierte Benchmarking-Folien, sondern durch ein tiefes Verständnis der jeweiligen lokalen Mobilitätskultur.
